«Ein urbaner Dorfplatz für alle Generationen»

Die Zukunft des neuen Quartiertreffpunktes fürs Iselin-Quartier wird aufgegleist

Der Quartiertreffpunkt «Kontaktstelle für Eltern und Kinder 4055» wird 2024 von der Stöberstrasse ins neue Gemeindehaus Oekolampad umziehen. Die Zeit bis zum Umzug nutzt sie für die Erarbeitung einer neuen Strategie und eines neuen Erscheinungsbildes. Die Kontaktstelle möchte zu einem Ort der Begegnung für die breite Quartierbevölkerung werden. 

Englisch, japanisch oder polnisch

Es herrscht buntes Treiben im Eingang der «Kontaktstelle für Eltern und Kinder 4055» an der Stöberstrasse 34. «Please put on your shoes», fordert eine Mutter ihren etwa dreijährigen Sohn auf. Andere Kinder ziehen Jacken an oder aus. Es ist ein Kommen und Gehen, und es wird ausschliesslich englisch geredet. Es ist Montagmorgen, an dem jeweils eine englischsprachige Gruppe die Kontaktstelle belebt. 

Diese Gruppe hat sich in die Kontaktstelle eingemietet und organisiert die Treffen für ihre Mitglieder autonom. Ebenfalls autonom funktionieren eine japanische, eine afrikanische und eine polnische Eltern-Kind-Gruppe. Eine lateinamerikanische und eine eritreische Gruppe werden von Mediatorinnen und dem Team der Kontaktstelle begleitet. Nebst dem sozialen Aspekt verfolgen diese Treffen auch ein integratives Ziel für Migrantinnen.

Zweimal pro Woche bietet die Elternberatung Basel-Stadt Beratungsgespräche an. In den Gesprächen sollen die Eltern für den Alltag gestärkt werden. Ängste und Verunsicherungen, etwa bei Fragen zum Stillen, zu Schlaf- und Essverhalten sowie zu Entwicklungs- und Erziehungsthemen werden aufgefangen.

Kerninhalt der Kontaktstelle sind wöchentlich vier sogenannte offene Treffpunkte, die allen Erziehungspersonen mit ihren Kindern im Vorschulalter offenstehen. Die vom Team begleiteten Treffen werden für Austausch, Vernetzung, niederschwellige Beratung und Integration genutzt. 

Inhaltlicher Wandel

Das Büro der Geschäftsleitung befindet sich direkt neben der Küche mit dem grossen Tisch, dem Herzstück des Quartiertreffpunkts. So sind die beiden Geschäftsleiterinnen Barbara Stamm und Beatrice Heidig auch dann nahe am Puls des Geschehens, wenn sie mit administrativen Arbeiten beschäftigt sind. Die beiden erfahrenen Sozialpädagoginnen arbeiten zurzeit unter anderem an der Ausarbeitung der strategischen Entwicklung des Quartiertreffpunkts: Die Zukunft der Kontaktstelle soll aufgegleist werden. 

Beatrice Heidig ist als Co-Geschäftsführerin einerseits mit dem Alltagsgeschäft und andererseits der konzeptionellen Planung des zukünftigen Quartiertreffpunkts beschäftigt. Foto: Donata Ettlin

Der Quartiertreffpunkt «Kontaktstelle für Eltern und Kinder 4055» wird ins neue Gemeindehaus Oekolampad umziehen. In Luftlinie beträgt die Distanz nur 200 Meter, inhaltlich steht der Kontaktstelle aber noch ein längerer Weg bevor. Auf den Umzug hin soll die neue Strategie überarbeitet sein. «Wir haben uns schon länger damit beschäftigt, wie die Kontaktstelle in Zukunft aussehen soll», erklärt Barbara Stamm. «Die Möglichkeit, ins Oekolampad umzuziehen, hat diesen Prozess beschleunigt».

Generationen- und kulturübergreifendes Zielpublikum

«Die Räume an der Stöberstrasse und der Name Kontaktstelle für Eltern und Kinder schränken den Quartiertreffpunkt zunehmend ein», sagt Beatrice Heidig. Kinder- und Elternarbeit und die integrative Migrationsarbeit werden auch am neuen Ort ein Grundpfeiler der Quartiersarbeit sein. Neu sollen aber auch Senior*innen zum Zielpublikum werden. «Wir haben das Bild eines urbanen Dorfplatzes vor uns. Die Vielfalt der Quartierbewohner*innen wird in unseren Räumen sichtbar», sagt Heidig. Die Infrastruktur soll als Plattform funktionieren, die von der Quartierbevölkerung für den Austausch genutzt werden kann. «Das bedarfsorientierte Angebot und das partizipative Arbeiten stehen für uns im Mittelpunkt», sagt Barbara Stamm. 

Barbara Stamm hat mit ihrer Co-Geschäftsführerin viele Visionen für den neuen Quartiertreffpunkt. Beiden liegt der partizipative Prozess mit der Bevölkerung am Herzen. Foto: Donata Ettlin

Während dreier Tage standen die Geschäftsleiterinnen der Kontaktstelle auf dem Allschwilerplatz, um eine Bedarfsanalyse durchzuführen. Im Dialog mit der Bevölkerung sind ihnen so die direkten Anliegen aus der anwohnenden Nachbarschaft zugetragen worden. Durch das rege Interesse und dank einer spürbaren Offenheit der Quartierbevölkerung konnten viele interessante Gespräche geführt sowie Ideen und Bedürfnisse zusammengetragen werden.

Neue Räume, neue Möglichkeiten

Der kleinräumige, verwinkelte Quartiertreffpunkt an der Stöberstrasse eignet sich ideal für Familien als geschützter Raum für die frühkindliche Entwicklung, Beratung, Begegnungen und niederschwellige Bildungsangebote. Es wird herausfordernd, diese familiäre Atmosphäre, die die Kontaktstelle seit 27 Jahren auszeichnet, ins neue Gemeindehaus Oekolampad zu überführen. Die Macherinnen der Kontaktstelle sehen dieser Herausforderung zuversichtlich entgegen und freuen sich, die neuen Räumlichkeiten mit Inhalt zu füllen. «Es wird ein Ort der Begegnung, der Mitwirkung und Aktivität, dessen gemeinschaftliche Kultur zu einem lebendigen und kreativen Quartier beitragen soll», schreiben sie im Jahresbericht 2020

Mit den neuen Räumlichkeiten im ersten Stock des Gemeindehauses Oekolampad wandert die Kontaktstelle weiter ins Zentrum des Quartiers. Wichtig ist Barbara Stamm und Beatrice Heidig dabei, dass der neue Ort gut sicht- und erreichbar ist und der Zugang niederschwellig bleibt. Mit einem Sommerfest und einer Kinderartikelbörse auf der Oekolampad-Matte sowie dem Kulturangebot Portikus/Sounds im Eingangsbereich des Gemeindehauses Oekolampad ist die Kontaktstelle bereits jetzt im Zentrum des Quartiers präsent.

Die beiden Geschäftsleiterinnen blicken freudig auf die kommenden Monate und Jahre. Sie sehen im neuen Gemeindehaus Oekolampad und in der Umgestaltung des Allschwilerplatzes ein grosses Potential für eine Erhöhung der Lebensqualität im Iselin-Quartier. Mit der Transformation des Quartiertreffpunkts «Kontaktstelle für Eltern und Kinder 4055» zu einem Ort für alle Generationen und einem breit gefächerten Zielpublikum möchten sie einen wesentlichen Teil dazu beitragen. Die neue Strategie dazu entsteht. Was noch fehlt, ist ein neuer Name. Ganz im Sinne des partizipativen Ansatzes seien Ideen für einen neuen Namen aus dem Quartier herzlich willkommen, sagen Beatrice Heidig und Barbara Stamm lachend.

Benedikt Pfister

Das Treffen mit Barbara Stamm und Beatrice Heidig fand am 6. Dezember 2021 statt.